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Boos-John startet Initiative für „Weimarer Wirtschaftsdreieck“


Wirtschaftsdelegationen aus Frankreich und Polen zu Gast in Thüringen / Wirtschaftsministerin: „Weimarer Dreieck stärker für wirtschaftliche Zusammenarbeit nutzen“

Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John hat eine Initiative zur Etablierung eines „Weimarer Wirtschaftsdreiecks“ gestartet. Ziel ist es, das seit 35 Jahren bestehende politische Format des „Weimarer Dreiecks“ stärker auch für die Anbahnung konkreter Unternehmens-, Technologie- und Forschungskooperationen zu nutzen. Den Startschuss dafür bildet der Besuch zweier Wirtschaftsdelegationen aus Frankreich und Polen vom 22. bis 25. September in Thüringen. Insgesamt 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmer – zwölf aus Frankreich und 13 aus Polen – sind dazu nach Jena und Weimar gekommen. Im Mittelpunkt stehen Optik und Photonik sowie die Anbahnung konkreter Unternehmens- und Forschungskooperationen. Mit dabei sind unter anderem die Optik-Cluster „Photonics France“ und die „Polish Technological Platform on Photonics“, das Thüringer „OptoNet“ sowie zahlreiche Unternehmen aus der optischen und photonischen Industrie.
 
„Das ‚Weimarer Dreieck‘ steht seit 35 Jahren für Verständigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und Polen. Diesen Gedanken wollen wir noch stärker in den Bereich der Wirtschaft übersetzen“, sagte Boos-John zum Auftakt des Delegationsbesuchs in Jena. Ziel sei es, Unternehmen, Forschungseinrichtungen und wirtschaftliche Akteure aus den drei Ländern enger miteinander zu vernetzen und konkrete Kooperationen anzubahnen. „Europäische Zusammenarbeit wird dort greifbar, wo Unternehmen miteinander ins Geschäft kommen, gemeinsam neue Produkte und Verfahren entwickeln und auf diese Weise miteinander erfolgreich sind. Angesichts vieler geopolitischer Spannungen weltweit wollen wir einen Beitrag dazu leisten, den europäischen Binnenmarkt zu stärken. Mein Ziel ist es deshalb, das politische ‚Weimarer Dreieck‘ mit einem ‚Weimarer Wirtschaftsdreieck‘ zu untersetzen.“
 
Ankerpunkt des „Weimarer Wirtschaftsdreiecks“ ist in diesem Jahr die Hightech-Messe W3+Fair in Jena, die heute von der Wirtschaftsministerin eröffnet wurde. Die Fachmesse bringt Unternehmen, Forschung und Entwicklung insbesondere aus den Bereichen Optik, Photonik, Elektronik und Feinmechanik zusammen. Die polnischen und französischen Gäste nehmen an der Messe und einem eigens organisierten B2B-Matchmaking zwischen Unternehmen aus Thüringen, Polen und Frankreich teil. Anschließend stehen weitere internationale Kooperationsgespräche auf dem Programm. Nach dem Messebesuch und den Kooperationsgesprächen am Mittwoch folgt am Donnerstag ein Besuchsprogramm im Technologie- und Innovationspark Jena (TIP) sowie bei Carl Zeiss, Jabil und Materion Optics Balzers. Zum Abschluss findet am Freitag im Weimarer Rathaus ein gemeinsames Wirtschaftsfrühstück statt. Dort sollen die Ergebnisse der Woche ausgewertet, weitere Kooperationsmöglichkeiten identifiziert und Möglichkeiten der europäischen Förderung vorgestellt werden.
 
„Unser Anspruch ist, dass es nicht bei einem einmaligen Treffen bleibt“, betonte Boos-John. „Das ‚Wirtschaftsdreieck‘ soll ein dauerhafter Rahmen sein, in dem Kontakte weiterentwickelt und konkrete Kooperationen angebahnt werden können.“ Dafür gibt es bereits eine gute wirtschaftliche Grundlage:
 

  • Polen ist Thüringens wichtigster Handelspartner innerhalb der Europäischen Union. 2025 exportierten Thüringer Unternehmen Waren im Wert von rund 1,26 Milliarden Euro nach Polen und importierten Waren im Wert von knapp 1,28 Milliarden Euro. Der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) sind 322 Thüringer Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit Exportbeziehungen nach Polen bekannt.
  • Auch Frankreich gehört seit Jahren zu den wichtigsten Thüringer Handelspartnern. 2025 gingen Thüringer Waren im Wert von rund 1,15 Milliarden Euro nach Frankreich; die Importe lagen bei rund 622 Millionen Euro. Der LEG sind 379 Thüringer Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit Exportbeziehungen nach Frankreich bekannt. Zudem gibt es 39 Thüringer Unternehmen mit französischer Muttergesellschaft beziehungsweise französischer Beteiligung, die zusammen rund 4.000 Arbeitsplätze im Freistaat geschaffen haben.

Thüringen ist seit vielen Jahren eng mit Frankreich und Polen verbunden – nicht nur politisch, sondern auch über seine gewachsenen Partnerschaften mit den Regionen Hauts de France und Małopolska. Die neue Initiative schließt bewusst an diese langjährige Zusammenarbeit an und soll die bestehenden Beziehungen weiter vertiefen. „Das Weimarer Dreieck hat vor 35 Jahren hier in Thüringen seinen Anfang genommen“, sagte Boos-John. „Daran wollen wir anknüpfen. Aus Begegnungen soll Vertrauen entstehen, aus Kontakten Zusammenarbeit – und aus Zusammenarbeit möglichst wirtschaftlicher Erfolg. Das wäre ein sehr praktischer Beitrag Thüringens zu einem wirtschaftlich starken Europa.“


Hintergrund
 
Weimarer Dreieck: Das Weimarer Dreieck wurde 1991 auf Initiative der damaligen Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens – Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzysztof Skubiszewski – in Weimar begründet. Das Gesprächsformat steht seitdem für Verständigung und Zusammenarbeit zwischen den drei Ländern und für ihre gemeinsame Verantwortung für Europa. Anlässlich des 35-jährigen Bestehens hatte der Freistaat Ende August 2026 zu einer Festveranstaltung nach Weimar eingeladen. Am 2./3. September 2026 waren die Außenminister von Frankreich, Polen und Deutschland in Weimar erneut zu Gesprächen zusammengetroffen.
 
W3+Fair Jena: Die W3+Fair ist eine Hightech-Fachmesse mit begleitender Konferenz für die Bereiche Photonik, Optik, Elektronik und Mechanik. Sie findet am 23. und 24. September 2026 zum vierten Mal in Jena statt. Mit mehr als 250 Ausstellern und Partnern aus 15 Ländern ist die diesjährige Messe die bislang größte Jenaer Ausgabe; bei der Premiere 2023 waren es 160 Aussteller. Mehr als 60 Prozent der Aussteller kommen von außerhalb der Region beziehungsweise aus dem Ausland. Der Veranstalter erwartet rund 3.000 Besucherinnen und Besucher.
 
Die Messe bringt die Wertschöpfungsketten von Optik, Photonik, Elektronik und Mechanik zusammen und richtet sich insbesondere an Entwickler, Ingenieure, Einkäufer und Technologieunternehmen. Zu den beteiligten Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus der Region zählen unter anderem Jenoptik, Carl Zeiss, Fraunhofer-Institute, die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Die begleitende Konferenz „en-tech.talks“ umfasst rund 60 Referentinnen und Referenten und Themen von Medizintechnik, Digitalisierung und Mikrotechnologie über Präzisionsoptik bis zu Raumfahrt sowie Sicherheit und Verteidigung.
 
Die W3+Fair wurde ursprünglich aus der Industrieinitiative Wetzlar Network heraus entwickelt. Ziel ist es, unterschiedliche Hightech-Branchen miteinander zu vernetzen, neue Anwendungsfelder zu erschließen und Technologie- und Unternehmenskooperationen anzubahnen. Seit 2023 findet die Messe neben Wetzlar auch in Jena statt.
 
Die Organisation des Delegationsprogramms zum „Weimarer Wirtschaftsdreieck“ erfolgt durch die LEG / Thüringen International in Zusammenarbeit mit OptoNet e.V. und weiteren Partnern.
 
 
 
Stephan Krauß
Pressesprecher
 

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