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Wirtschaftsministerin Boos-John zum Bruttoinlandsprodukt: „Ergebnis muss Ansporn zum Handeln sein“


Thüringens Wirtschaftsleistung geht im ersten Halbjahr 2026 um 0,8 Prozent zurück / Wirtschaftsministerin: Industriemotor noch nicht angesprungen

Das Thüringer Bruttoinlandsprodukt ist im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum preisbereinigt um 0,8 Prozent zurückgegangen. Bundesweit nahm die Wirtschaftsleistung dagegen um 0,9 Prozent zu.

„Auch wenn das nur vorläufige Zahlen sind: Das ist alles andere als ein zufriedenstellendes Ergebnis und ein klares Warnsignal, dass es auf allen Ebenen endlich deutliche Verbesserungen für die Wirtschaft geben muss“, sagte Wirtschaftsministerin Colette Boos-John. Natürlich seien die Zahlen nicht zuletzt das Resultat schwieriger wirtschaftlicher Entwicklungen in den vergangenen Monaten. „Vor allem der erhoffte Aufschwung in der Industrie ist ausgeblieben. Gerade ein stark industriell geprägtes Land wie Thüringen bekommt das besonders zu spüren“, so die Ministerin.

Noch im vergangenen Jahr war Thüringens Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren wieder leicht gewachsen. Allerdings war bereits damals deutlich geworden, dass der Aufschwung noch nicht von der Industrie getragen wurde. „Unsere Hoffnung war, dass der Industriemotor spätestens 2026 wieder anspringt. Das ist bislang nicht passiert“, so Boos-John.

So lag der Umsatz der Thüringer Industriebetriebe mit 50 und mehr Beschäftigten im ersten Halbjahr insgesamt 4,3 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Industriebeschäftigten ging im gleichen Zeitraum um 3,9 Prozent zurück. Besonders betroffen ist gerade auch die für Thüringen wichtige Automobil- und Zulieferindustrie. Die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen steht allein für rund neun Prozent des Thüringer Industrieumsatzes und rund acht Prozent der Industriebeschäftigten. In diesem Wirtschaftszweig lag der Umsatz der größeren Thüringer Betriebe im ersten Halbjahr 2026 um rund fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau. Die Zahl der Beschäftigten sank im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um knapp zehn Prozent.

„Thüringen kann sich von der gesamtdeutschen Industrieentwicklung nicht abkoppeln“, sagte die Wirtschaftsministerin. „Hohe Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie und regulatorische Belastungen sowie die anhaltende Unsicherheit auf wichtigen internationalen Absatzmärkten treffen unsere Unternehmen unmittelbar. Deshalb brauchen wir insbesondere auf Bundes- und EU-Ebene endlich spürbar bessere Standortbedingungen – wettbewerbsfähige Energiepreise, weniger Bürokratie und niedrigere Steuer- und Abgabenbelastungen für unsere Unternehmen.“

Zugleich werde auch Thüringen seine strukturellen Herausforderungen weiter aktiv angehen. Der im Mai vorgelegte Mittelstandsbericht habe insbesondere Demografie, Produktivität und eine mangelnde Investitionstätigkeit als zentrale Handlungsfelder benannt. Thüringen bleibe dennoch auch künftig ein stark industriell geprägtes Land: Das Verarbeitende Gewerbe erwirtschaftet rund 21 Prozent der Bruttowertschöpfung und beschäftigt etwa jeden fünften Erwerbstätigen.

Gleichzeitig gebe es aber durchaus viele positive Signale aus der Thüringer Wirtschaft, so Boos-John. So stieg die Zahl der Gewerbeanmeldungen von Januar bis Juli gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,6 Prozent. Auch die Zahl der Insolvenzverfahren lag im ersten Halbjahr mit 1.057 Fällen rund zehn Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das zeige, dass die Entwicklung in vielen Bereichen positiv verlaufe, sagte die Ministerin.

„Die aktuellen BIP-Zahlen müssen deshalb vor allem als eine Aufforderung zum Handeln verstanden werden“, so Boos-John. „Wir müssen jetzt alles daransetzen, Investitionen zu erleichtern, Innovationen voranzubringen, Fachkräfte zu sichern und die Kostenbelastung unserer Unternehmen zu senken. Entscheidend ist, dass aus dem Warnsignal möglichst schnell wieder ein Wachstumssignal wird.“

 

Stephan Krauß
Pressesprecher
 

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